Weichteilchirurgie

Behandlung von inkontinenten TierenEs wird eine feine Nadel in die Harnröhre eingeführt und ein Gel gespritzt.
Behandlung von inkontinenten TierenDer Widerstand der Harnröhre wird schonend erhöht.
InkontinenzbehandlungZubehör für den künstlichen Schließmuskel zur Inkontinenzbehandlung.

Therapie der Harninkontinenz

Der unbewusste Verlust von Urin tritt nicht selten bei Hunden auf und kann für Tier und Halter zur schweren Belastung werden – und aufgrund aufsteigender Infektionen Gesundheit und Leben des Patienten gefährden.

Harninkontinenz kann viele Ursachen haben. Es gibt angeborene Formen, die insbesondere bei einigen Hunderassen auftreten. Am häufigsten ist aber ist Inkontinenz bei Hündinnen als Spätfolge der Kastration zu beobachten.

Eine Funktionsschwäche der Harnröhre lässt sich nicht einfach sicher nachweisen. Im Rahmen der Untersuchung wird nach anatomischer Veranlagung gesucht, andere Ursachen werden ausgeschlossen.

Angeborene Ursachen sind auch Gegenstand von Erblichkeitsuntersuchungen. Beim Briard und Entlebucher Sennehund zum Beispiel wird versucht, durch sonographische Darstellung der Harnleiter Merkmalsträger zu erkennen, um gezielt auf die Zucht positiv Einfluss zu nehmen.

Erworbene Harnkontinenz wird in einem Schritt mit Medikamenten (Ephedrin, Phenylpropanolamin, Östriol oder GnRH Analoga) therapiert, die meist zunächst gut helfen und relativ harmlos sind. Bei Nebenwirkungen oder Verlust der Wirksamkeit kommen folgende Methoden zur Anwendung:

1. Endoskopische Injektion von Bioimplantaten in die Harnröhrenschleimhaut

Sehr wenig belastend für den Hund – in Ausnahmefällen auch bei der Katze angewendet – ist dies eine komplikationsfreie Methode, um den passiven Harnröhrenwiderstand zu erhöhen. Viele Vorteile, aber leider nur in circa 60 Prozent der Fälle auch langfristig erfolgreich: Maximal wurde eine Wirkung von vier Jahren beobachtet, gemittelt können um die anderthalb Jahre erwartet werden. Die Behandlung unter Verwendung von Kollagen, Teflon, Keramik oder Hyaluronsäure / Dextranomer kann allerdings ebenso schonend wiederholt werden. Für diese Behandlung ist kein Klinikaufenthalt erforderlich.

2. Kolposuspension

Bei jüngeren Hündinnen – und seit einigen Jahren auch zur Prävention bei Hunden mit einem hohen genetischen Risiko (Beckenblase) – bereits während der Kastration empfehlen wir die Kolposuspension. Die Methode wurde lange Zeit auch bei Menschen angewendet, ist nur gering invasiv und hat wenig relevante Komplikationen. Auch hier liegt die Grenze in der Erfolgsrate, die ebenfalls nur bei circa 60 Prozent liegt. Die Methode erfordert einen kleinen Schnitt in der Leistenregion. Wir empfehlen, die Hunde erst nach erfolgreichem Harnabsatz am Tag nach der Operation abzuholen.

3. Künstlicher Schließmuskel aus Silikon (Hydraulischer Okkluder)

Eine relativ neue Methode und eigentlich sehr vielversprechend. Falls aber Komplikationen auftreten, können diese sehr schwerwiegend sein. Trotzdem für schwere Fälle, vor allem bei Rüden, die Methode mit der besten Aussicht auf Erfolg. Eine Silikonmanschette wird um die Harnröhre gelegt und ist mit einem sogenannten Port verbunden. Am Schenkel unter der Haut platziert, wird es über den Port ermöglicht, per Injektion von außen die Füllung der Manschette an die Bedürfnisse des Hundes anzupassen. Aufgrund der Materialkosten von fast 500 Euro die teuerste Methode. Die Tiere sollten solange in der Klinik bleiben, bis ein ungestörter Harnabsatz garantiert werden kann. In der Regel ist dies innerhalb von zwei Tagen der Fall.

4. Vasopexie beim Rüden

Ein Eingriff, der durch minimal invasive Chirurgie sehr schonend ausgeführt werden kann, aber leider nur eine geringe Erfolgsrate hat (circa 30 Prozent). Trotzdem kann diese Maßnahme bei jungen inkontinenten Rüden mit anatomischer Veranlagung ohne Risiko und nennenswerte Komplikationen sinnvoll sein.

 

Ihr Ansprechpartner: Prof. Dr. Rafael Nickel , Telefon 040 5 29 89 40

Spezielle Therapie bei Atemwegsergankungen

Die Behinderung der Atmung ist ein schrecklicher Zustand und die Tiere müssen sehr leiden. Wir versuchen mit moderner Technologie und chirurgischen Techniken, den Patienten das Atmen wieder zu erleichtern. Die häufigsten Erkrankungen sind das brachycephale Syndrom bei Bulldoggen und Möpsen und die Kehlkopflähmung (Larynxparalyse), die meist bei älteren Hunden größerer Rassen auftritt.

Brachycephales Syndrom

Die kleinen Möpse und französischen Bulldoggen haben leider häufig schon in den ersten Lebensjahren Probleme mit der Atmung, die bei Wärme und Aufregung schnell dramatisch werden und bis zum Kollaps führen können. Die Behandlung solcher Patienten ist sehr komplex und aufwendig: Viele Engpässe in den Atemwegen müssen korrigiert werden. Deshalb wird zuerst eine Spiegelung der Atemwege vorgenommen, anschließend eine Computertomographie, um den aktuellen Zustand zu erfassen.

 Die Liste der möglichen Engpässe ist lang:

  • zu enge Nasenlöcher
  • zu enger Nasenvorhof
  • Vorfall der Nasenmuscheln in den Nasenrachenkanal
  • zu enger Nasenrachenkanal
  • zu langes Gaumensegel
  • zu dicke Zunge
  • Kehlkopfschwäche
  • Vorfall der Stimmtaschen
  • zu enge (hypoplastische) Luftröhre

Um Erleichterung zu verschaffen, wird versucht, fast alle diese Engpässe zu erweitern: Dazu wird Radiofrequenztechnologie und Lasertechnologie außer klassischen chirurgischen Methoden angewendet:

  • Erweitern der Nasenlöcher mit einer Keilexzision
  • Radiofrequenzablation der Nasenfalte im Nasenvorhof
  • Radiofrequenzreduktion der Nasenmuscheln oder laser-assistierte Turbinektomie
  • Vermindern des Volumens des weichen Gaumens chirurgisch oder mit Radiofrequenzablation
  • Kürzen und Ausdünnen des Gaumensegels
  • Entfernen der vorgewölbten Stimmtaschen
  • Narbenbildung durch Radiofrequenzsonden-Anwendung am äußeren Kehlkopf zur passiven Erweiterung
  • Reduktion der Zunge und des weichen Gaumens mit Radiofrequenzsonde (ähnlich der Antischnarch-Behandlung beim Menschen)
zu enge Nasenlöcher bei einer BulldoggeDiese Bulldogge hat zu enge Nasenlöcher
Endoskopische Bild des NasenvorhofsEndoskopische Sicht des Nasenvorhofs, kurz hinter den Nasenlöchern. Eine Falte stellt einen Engpass dar

Nasenrachenkanal bei einem MopsEndoskopisches Bild und CT-Darstellung des Nasenrachenkanals bei einem Mops: Die Nasenmuscheln wölben sich vor und stellen einen Engpass für die Nasenatmung dar
Rachen einer französischen BulldoggeBlick in den Rachen einer französischen Bulldogge: Das Gaumensegel ist zu voluminös, zu lang und liegt dem Kehldeckel auf
KehlkopfBlick auf den Kehlkopf direkt hinter dem Kehldeckel: Der Kehlkopf fällt zusammen und die Stimmtaschen sind vorgewölbt
Kopf einer französischen BulldoggeCT-Darstellung des Kopfes einer französischen Bulldogge: Der Nasenrachenkanal im hinteren Bereich ist deutlich eingeengt
Nasenlöcher vor der OperationZustand der Nasenlöcher vor der Operation
Nasenlöcher nach der OperationZustand der Nasenlöcher nach der Operation
Endoskopische Bild des NasenvorhofsEndoskopisches Bild des Nasenvorhofs nach Radiofrequenzablation der Nasenfalte: Nun kann erheblich mehr Luft durch die Nasenöffnungen ein- und austreten.
Versteifung des Kehlkopfes
Kürzung der GaumenseegelRadiofrequenzsonden-Anwendung zur Versteifung des äußeren Kehlkopfes
Zustand nach Kürzung des Gaumensegels
Kehlkopf vor der OperationKehlkopf vor der Operation
Kehlkopf nach der OperationKehlkopf nach der Operation

Kehlkopflähmung (Larynxparalyse)

Meist bei älteren Hunden der großen Rassen kommt es zu einer Fehlfunktion des Kehlkopfes, wobei Nerven und Muskulatur sich verändern und der Kehlkopf sich nicht mehr weit genug öffnet beim Einatmen. Es gibt ein relativ typisches Geräusch und in zunehmenden Maß Verminderung der Leistung bis hin zu Atemnot. Nicht selten wird bei den Hunden zunächst eine Herzerkrankung vermutet.

Die Diagnose wird durch eine Spiegelung (Laryngotracheoskopie) gestellt. In der dafür nötigen Narkose kann gleich eine chirurgische Therapie Anwendung finden, die sogenannte Arytenoidlateralisation, bei der ein kleiner Schnitt am Hals einen Zugang zu den Knorpeln des Kehlkopfes erlaubt und ein Fortsatz mit speziellen Nähten nach außen gezogen wird. Die Methode ist sehr erfolgreich, hält aber unter Umständen nicht bei allen Hunden dauerhaft. Nur in Ausnahmefällen kann der Kehlkopfschlitz durch die Arytenoidlateralisation nicht erweitert werden. Die Erleichterung der Atmung ist in der Regel sofort nach der Operation spürbar und die Hunde können nach dem Aufwachen gleich nach Hause entlassen werden.


Ihr Ansprechpartner: Prof. Dr. Rafael Nickel, Dr. Frank Wagner, Telefon 040 5 29 89 40