Dialyseeinheit bei einem HundNora, die Berner Sennenhündin, neben der Dialyseeinheit.
Leptospiroseinfektion bei einem HundLisa, die Dackeldame mit akutem Nierenversagen.

Dialyse

Als eine der wenigen Tierkliniken in Europa verfügen wir über den routinemäßigen Einsatz der Hämodialyse. Die Methode ist zwar von der Anwendung bei Menschen mit Nierenversagen bereits seit einigen Jahrzehnten bekannt, aber in der Tiermedizin war die Entwicklung sehr zögerlich. Dies ist sicher auf den technischen und personellen Aufwand zurückzuführen, der erforderlich ist, hat aber auch ethisch-moralische Gründe. Denn eine lebenserhaltende Maßnahme um jeden Preis ist in der Tiermedizin mit Recht sehr umstritten. Allerdings gibt es Fälle, in denen mit Hilfe der Dialyse eine lebensbedrohliche Situation abgewendet werden kann und eine Chance auf Heilung besteht.

Die auch als Blutwäsche bekannte Methode beruht darauf, giftige Stoffwechselprodukte – gegebenenfalls Medikamente und Gifte – per Filter und sogenanntem Dialysat zu entfernen. Dabei wird über einen speziellen Katheter in der großen Halsvene Blut vorrübergehend aus dem Körper gepumpt und gereinigt wieder zurückgeführt. Der Vorgang dauert zwischen zwei und vier Stunden, die das Tier unter Überwachung neben dem Gerät verbringen muss. In schweren, akuten Fällen muss dies über mehrere Tage alle 24 bis 48 Stunden wiederholt werden. In dieser Zeit werden ständig Blutdruck, Blutgerinnung und andere Parameter überprüft. Durch das Herausfiltern der toxischen Stoffe können viele schwerwiegende Symptome des Nierenversagens zunächst aufgehoben werden. Aber erst wenn die Nieren ihre Funktion wieder aufnehmen, kann der Patient entlassen werden.

Deshalb ist die Methode nur sinnvoll bei akutem Nierenversagen, wenn die üblichen Therapieversuche gescheitert sind und Hund oder Katze kaum noch oder keinen Urin mehr produzieren. Zudem kann die Dialyse sinnvoll sein nach inadäquater Flüssigkeitstherapie zum schonenden Entwässern. Aus technischen Gründen können Tiere mit einem Körpergewicht unter drei Kilogramm nicht dialysiert werden.

Die Prognose ist sehr abhängig von der Ursache, so können bis zu 80 Prozent der Hunde mit akutem Nierenversagen durch Leptospirose geheilt werden aber nur circa 20 Prozent nach Ethylenglykolvergiftung.

Solange es kein Nieren-Transplantationsprogramm für Tiere in Europa gibt, macht es wenig Sinn, die Dialyse zur Behandlung von Tieren mit chronischem Nierenversagen zu nutzen. Denn drei bis vier Behandlungen pro Woche und ein Dauerkatheter im Hals ohne Perspektive stellen aus unserer Sicht keine tierfreundliche Maßnahme dar.

 

Ihre Ansprechpartner: Dr. Nadja Spies, Dr. Svenja Hischer, Dr. Maria Somerkoski, Telefon 040 5 29 89 40