Menu
  • Kontakt:040 5298940

Chirurgie

Die wichtige Rolle der chirurgischen Therapie bei der Behandlung von Erkrankungen unserer vierbeinigen Patienten hat in der Tierklinik in Norderstedt Tradition. Die Entwicklung in der Tiermedizin verläuft rasant. In vielen Bereichen gleichen die Eingriffe schon dem Standard in der Humanmedizin, sei es in der Orthopädie, Neurochirurgie oder der endoskopischen Chirurgie. Ständige Fortbildung und Training sind nötig, hinsichtlich der Geräte und Instrumente müssen die nötigen Voraussetzungen gegeben sein. In unserem Operationsbereich führen sehr anerkannte Experten mit modernstem Equipment täglich komplizierteste Eingriffe durch und sorgen mit ihrer Fachkunde und langjährigen Routine für ein hohes Maß an Sicherheit und Qualität.

Unsere Anmeldung vermittelt Termine für Beratung und Behandlung unter der E-Mail Adresse info@tierklinik-norderstedt.de.

Weichteilchirurgie

Therapie der Harninkontinenz

Der unbewusste Verlust von Urin tritt nicht selten bei Hunden auf und kann für Tier und Halter zur schweren Belastung werden – und aufgrund aufsteigender Infektionen Gesundheit und Leben des Patienten gefährden. Harninkontinenz kann viele Ursachen haben. Es gibt angeborene Formen, die insbesondere bei einigen Hunderassen auftreten. Am häufigsten aber ist Inkontinenz bei Hündinnen als Spätfolge der Kastration zu beobachten. Eine Funktionsschwäche der Harnröhre lässt sich nicht einfach sicher nachweisen. Im Rahmen der Untersuchung wird nach anatomischer Veranlagung gesucht, andere Ursachen werden ausgeschlossen. Angeborene Ursachen sind auch Gegenstand von Erblichkeitsuntersuchungen.

Erworbene Harnkontinenz wird in einem Schritt mit Medikamenten (Ephedrin, Phenylpropanolamin, Östriol oder GnRH Analoga) therapiert, die meist zunächst gut helfen und relativ harmlos sind. Bei Nebenwirkungen oder Verlust der Wirksamkeit kommen folgende Methoden zur Anwendung:

1. Endoskopische Injektion von Bioimplantaten in die Harnröhrenschleimhaut
Sehr wenig belastend für den Hund – in Ausnahmefällen auch bei der Katze angewendet – ist dies eine komplikationsfreie Methode, um den passiven Harnröhrenwiderstand zu erhöhen. Viele Vorteile, aber leider nur in circa 60 Prozent der Fälle auch langfristig erfolgreich: Maximal wurde eine Wirkung von vier Jahren beobachtet, gemittelt können um die anderthalb Jahre erwartet werden. Die Behandlung unter Verwendung von Kollagen, Teflon, Keramik oder Hyaluronsäure / Dextranomer kann allerdings ebenso schonend wiederholt werden. Für diese Behandlung ist kein Klinikaufenthalt erforderlich.

2. Kolposuspension
Bei jüngeren Hündinnen – und seit einigen Jahren auch zur Prävention bei Hunden mit einem hohen genetischen Risiko (Beckenblase) – bereits während der Kastration empfehlen wir die Kolposuspension. Die Methode wurde lange Zeit auch bei Menschen angewendet, ist nur gering invasiv und hat wenig relevante Komplikationen. Auch hier liegt die Grenze in der Erfolgsrate, die ebenfalls nur bei circa 60 Prozent liegt. Die Methode erfordert einen kleinen Schnitt in der Leistenregion. Wir empfehlen, die Hunde erst nach erfolgreichem Harnabsatz am Tag nach der Operation abzuholen.

3. Künstlicher Schließmuskel aus Silikon (Hydraulischer Okkluder)
Eine relativ neue Methode und eigentlich sehr vielversprechend. Falls aber Komplikationen auftreten, können diese sehr schwerwiegend sein. Trotzdem für schwere Fälle, vor allem bei Rüden, die Methode mit der besten Aussicht auf Erfolg. Eine Silikonmanschette wird um die Harnröhre gelegt und ist mit einem sogenannten Port verbunden. Am Schenkel unter der Haut platziert, wird es über den Port ermöglicht, per Injektion von außen die Füllung der Manschette an die Bedürfnisse des Hundes anzupassen. Aufgrund der Materialkosten von fast 500 Euro die teuerste Methode. Die Tiere sollten solange in der Klinik bleiben, bis ein ungestörter Harnabsatz garantiert werden kann. In der Regel ist dies innerhalb von zwei Tagen der Fall.

4. Vasopexie beim Rüden
Ein Eingriff, der durch minimal invasive Chirurgie sehr schonend ausgeführt werden kann, aber leider nur eine geringe Erfolgsrate hat (circa 30 Prozent). Trotzdem kann diese Maßnahme bei jungen inkontinenten Rüden mit anatomischer Veranlagung ohne Risiko und nennenswerte Komplikationen sinnvoll sein.

Spezielle Therapie bei Atemwegserkrankungen

Die Behinderung der Atmung ist ein schrecklicher Zustand und die Tiere müssen sehr leiden. Wir versuchen mit moderner Technologie und chirurgischen Techniken, den Patienten das Atmen wieder zu erleichtern. Die häufigsten Erkrankungen sind das brachycephale Syndrom bei Bulldoggen und Möpsen und die Kehlkopflähmung (Larynxparalyse), die meist bei älteren Hunden größerer Rassen auftritt.

Brachycephales Syndrom

Die kleinen Möpse und französischen Bulldoggen haben leider häufig schon in den ersten Lebensjahren Probleme mit der Atmung, die bei Wärme und Aufregung schnell dramatisch werden und bis zum Kollaps führen können. Die Behandlung solcher Patienten ist sehr komplex und aufwendig: Viele Engpässe in den Atemwegen müssen korrigiert werden. Deshalb wird zuerst eine Spiegelung der Atemwege vorgenommen, anschließend eine Computertomographie, um den aktuellen Zustand zu erfassen.

Die Liste der möglichen Engpässe ist lang:

  • zu enge Nasenlöcher
  • zu enger Nasenvorhof
  • Vorfall der Nasenmuscheln in den Nasenrachenkanal
  • zu enger Nasenrachenkanal
  • zu langes Gaumensegel
  • zu dicke Zunge
  • Kehlkopfschwäche
  • Vorfall der Stimmtaschen
  • zu enge (hypoplastische) Luftröhre

Um Erleichterung zu verschaffen, wird versucht, fast alle diese Engpässe zu erweitern: Dazu wird Radiofrequenztechnologie und Lasertechnologie außer klassischen chirurgischen Methoden angewendet:

  • Erweitern der Nasenlöcher mit einer Keilexzision
  • Radiofrequenzablation der Nasenfalte im Nasenvorhof
  • Radiofrequenzreduktion der Nasenmuscheln oder laser-assistierte Turbinektomie
  • Vermindern des Volumens des weichen Gaumens chirurgisch oder mit Radiofrequenzablation
  • Kürzen und Ausdünnen des Gaumensegels
  • Entfernen der vorgewölbten Stimmtaschen
  • Narbenbildung durch Radiofrequenzsonden-Anwendung am äußeren Kehlkopf zur passiven Erweiterung
  • Reduktion der Zunge und des weichen Gaumens mit Radiofrequenzsonde (ähnlich der Antischnarch-Behandlung beim Menschen)

Kehlkopflähmung (Larynxparalyse)

Meist bei älteren Hunden der großen Rassen kommt es zu einer Fehlfunktion des Kehlkopfes, wobei Nerven und Muskulatur sich verändern und der Kehlkopf sich nicht mehr weit genug öffnet beim Einatmen. Es gibt ein relativ typisches Geräusch und in zunehmenden Maß Verminderung der Leistung bis hin zu Atemnot. Nicht selten wird bei den Hunden zunächst eine Herzerkrankung vermutet.

Die Diagnose wird durch eine Spiegelung (Laryngotracheoskopie) gestellt. In der dafür nötigen Narkose kann gleich eine chirurgische Therapie Anwendung finden, die sogenannte Arytenoidlateralisation, bei der ein kleiner Schnitt am Hals einen Zugang zu den Knorpeln des Kehlkopfes erlaubt und ein Fortsatz mit speziellen Nähten nach außen gezogen wird. Die Methode ist sehr erfolgreich, hält aber unter Umständen nicht bei allen Hunden dauerhaft. Nur in Ausnahmefällen kann der Kehlkopfschlitz durch die Arytenoidlateralisation nicht erweitert werden. Die Erleichterung der Atmung ist in der Regel sofort nach der Operation spürbar und die Hunde können nach dem Aufwachen gleich nach Hause entlassen werden.

Lasermedizin

Lasermedizin

Die technische Entwicklung in der Lasertechnologie kommt auch unseren vierbeinigen Patienten zugute. Besonders hilfreich ist die Lasertechnologie bei Eingriffen in schwer zugänglichen Bereichen oder die nur mit dem Endoskop zu erreichen sind.  So wird dem Patienten der klassische Schnitt mit allen Unannehmlichkeiten und Komplikationen erspart.

Anwendungen mit gutem Erfolg hatten wir bisher im Bereich des Kehlkopfes und der Harnleiter. Eine Faser mit einem Durchmesser von nur 0,6 mm kann in die Tiefe eingebracht werden und überträgt die Energie nur dort, wo ein Kontakt entsteht. An der Kontaktfläche entstehen bis zu 400 Grad Celsius, ohne dass eine Schädigung umliegender Gewebe auftritt.

Laserlithotripsie

Die Zertrümmerung von Harnsteinen ermöglicht die schonende Entfernung der zerkleinerten oder pulverisierten Harnsteine auf natürlichem Wege. Mit Hilfe der Endoskopie kann eine Faser mit einem Durchmesser von unter 1 mm in die Harnwege eingeführt werden. Ein Holmium Laser erzeugt gepulste Laserstrahlung und mit einer Wellenlänge von 2080 nm bei einer Frequenz von 6-8 Hz und einer Energie von 0,5 - 0,8 J wird der Harnstein bei Kontakt mit der Laserfaser zerstört. Sobald die Harnsteinfragmente klein genug sind, können sie mit einer speziellen Fangschlaufe herausgezogen oder herausgespült werden. 
Die Methode ist in der Urologie bei Menschen schon länger sehr gebräuchlich und hat sich in den USA bereits auch bei Hunden und Katzen sehr bewährt. In Europa sind nur sehr wenige Tierkliniken bisher mit der nötigen Apparatur ausgestattet.

Die Vorteile der Methode sind natürlich sehr naheliegend, da kein chirurgischer Eingriff erforderlich ist und damit Schmerzen und Unwohlsein vermindert, aber auch Komplikationen der Chirurgie vermieden werden können. Vor allem in der Harnröhre des Rüden lokalisierte Steine, die oft zu dramatischen Zuständen führen und deren chirurgische Entfernung viele unangenehme Konsequenzen hat, können mit der Laserlithotripsie unkompliziert entfernt werden. Die Tiere bzw. deren Harnröhre müssen allerdings eine gewisse Größe haben.

Die behandelten Tiere können direkt nach dem Eingriff aus der Klinik nach Hause entlassen werden.

Orthopädische und neurologische Chirurgie

1. Frakturversorgung

2. Luxationen („Gelenksverrenkung“)

3. Schultergelenkserkrankungen

  • Osteochondrosis dissecans
  • Bizepssehnenriss
  • M. infraspinatus Kontraktur
  • Schultergelenksinstabilität

4. Ellbogengelenksdysplasie

  • Fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae („FPC“)
  • Isolierter Processus anconaeus („IPA“)
  • Osteochondrosis dissecans

5. Kreuzbandriss

6. Patellaluxation

  • Vertiefung des Sulcus trochlearis
  • Transposition der Tuberositas tibiae
  • Faszien- / Kapselraffung
  • Korrekturosteotomie bei Achsenabweichung von Ober- und Unterschenkelknochen

7. Hüftgelenksdysplasie

  • Unzementierte Hüftgelenksendoprothese („Züricher Modell“, Fa. Kyon)
  • Zementierte Hüftgelenksendoprothese (Fa. Biomechanique)
  • Dreifache Beckenosteotomie
  • Femurkopf- und Halsresektion

8. Neurochirurgie der Wirbelsäule

  • Bandscheibenvorfall – weitere Informationen hier
  • Zervikale Spondylomyelopathie („Wobbler-Syndrom“)
  • Degenerative lumbosakrale Stenose („Cauda-equina-Kompressionssyndrom”)
  • Wirbelfrakturen und Subluxationen
  • Tumoren der Wirbelsäule

9.Traumachirurgie

Frakturen

Knochenbrüche sind fast immer Folge einer schweren Traumatisierung, zum Beispiel nach Stürzen, Verkehrsunfällen, Trittverletzungen oder Beißereien. Im Rahmen eines Knochentumors können allerdings aufgrund der Schwächung des Knochens auch Spontanfrakturen ohne ein wesentliches Trauma auftreten (sogenannte pathologische Frakturen). Damit Ihr Tier nach einem traumatischen Knochenbruch möglichst bald wieder laufen kann, ist häufig ein operatives Eingreifen erforderlich. Um eine optimale und individuell abgestimmte Versorgung zu ermöglichen, wenden wir verschiedene Operationstechniken an:

  • LCP (locking compression plate; „Verriegelungsplatte“, Fa. Synthes Veterinär): Verwendung u. a. bei Knochenbrüchen der Röhrenknochen, des Kiefers, der Wirbelsäule, des Beckens
  • DCP (Dynamische-Kompressions-Platte, Fa. Synthes Veterinär): Verwendung u. a. bei Knochenbrüchen der Röhrenknochen, des Kiefers, der Wirbelsäule, des Beckens
  • SOP („String of pearls“, Fa. Orthomed): Verwendung insbesondere bei der Versorgung schwieriger Brüche an Becken und Wirbelsäule
  • Marknagelung mit Bohrdrähten: Verwendung insbesondere bei Kaninchen, Meerschweinchen etc.
  • Knochennaht mit Cerclagedraht: Verwendung insbesondere bei Kieferfrakturen
  • Fixateur externe: Verwendung insbesondere bei offenen oder infizierten Knochenbrüchen

Die konservative, also nicht-chirurgische Behandlung von Knochenbrüchen, ist für wenige spezielle Situationen sinnvoll. Im Gegensatz zu uns Menschen belasten Hund und Katze jedoch in der Regel das gebrochene Bein, sodass meist mit einer reinen Verbandbehandlung dauerhaft keine ausreichende Stabilität und korrekte anatomische Position des gebrochenen Knochens gewährleistet werden kann.

Desweiteren werden die Kosten, die Dauer und der organisatorische Aufwand einer Verbandsbehandlung meist unterschätzt, sodass vielfach auch unter diesen Gesichtspunkten eine chirurgische Versorgung für den Patienten zu bevorzugen ist.

Luxationen („Gelenkverrenkung“)

Luxationen treten hauptsächlich im Rahmen von schweren Traumen (z. B. Verkehrsunfall, Fenstersturz oder Bissverletzungen) auf. Daher stehen bei den meisten Patienten zunächst die Stabilisierung des Kreislaufs und die Behandlung anderer lebensbedrohlicher Verletzungen im Vordergrund. Abhängig vom Ausmaß und Richtung der Gelenksverrenkung sowie der Traumatisierung des Gelenks (Gelenkkapselriss, Riss von Seitenbändern, Muskelabriss etc.) wird über die erforderlichen Maßnahmen zur Herstellung der Gelenksfunktion entschieden. Zum Einsatz kommen können u. a.

  • Naht der Gelenkkapsel
  • Bandersatz mit synthetischen Materialien (z. B. Knochenanker und Fiber wire)
  • Zeitweise Ruhigstellung mittels Fixateur externe oder Cast-Verband
  • Chirurgische Gelenksversteifung (insbesondere im Bereich des Handgelenks)

Kreuzbandriss

Die häufigste Lahmheitsursache der Hintergliedmaße beim Hund ist eine Schädigung (Anriss oder kompletter Riss) des vorderen, sehr selten des hinteren Kreuzbands. Meniskusschäden treten parallel mit einem Riss des vorderen Kreuzbands bei 30 bis 70 Prozent der Hunde auf. Der Kreuzbandris beim Hund wird als eine Erkrankung bezeichnet, weil sie typischerweise die Folge eines degenerativen Prozesses und nicht wie beim Menschen durch Sport oder ein Trauma entsteht. Bei Hunden mit einer Erkrankung des vorderen Kreuzbands besteht eine 30- bis 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das andere Knie innerhalb von einigen Monaten oder Jahren ebenfalls betroffen sein wird. Häufig lassen sich zum Zeitpunkt der orthopädischen Untersuchung bereits röntgenologische Veränderungen am anderen Kniegelenk nachweisen. 

Das gesunde vordere Kreuzband verhindert ein Verschieben von Oberschenkelknochen und Schienbein gegeneinander und ist damit essentiell für die Stabilität und Funktion des Kniegelenks. Die Gelenkfläche des Schienbeins weist ein nach hinten gerichtetes Gefälle auf, sodass während der Belastung der Gliedmaße der Oberschenkelknochen die Tendenz hat, entlang dieses Gefälles nach hinten zu rutschen und so den Unterschenkel nach vorne zu drücken (sogenannte kranial gerichtete Tibiatranslation). Das gesunde vordere Kreuzband stoppt gewissermaßen diese Scherbewegung des Oberschenkelknochens, und zwar millionenfach im Jahr. Wahrscheinlich führt ein sich ständig wiederholender biomechanischer Stress auf das Kreuzband zu einer Auffaserung, welche sich dann über Wochen und Monaten über einen Anriss zu einem vollständigen Riss des vorderen Kreuzbands entwickelt. Parallel dazu läuft ein Entzündungsprozess im Kniegelenk ab. Beides, die Instabilität des Kniegelenks als auch die Entzündung, führen zur Entwicklung einer unterschiedlich stark ausgeprägten Kniegelenksarthrose (sogenannte degenerative Osteoarthritis mit Gonarthrose). Die immer auftretende Kniegelenksarthrose kann weder durch eine Operation noch durch Medikamente geheilt werden. Ob die arthrotischen Zubildungen jemals eine Relevanz für die Funktion des Kniegelenks bekommen, kann nicht generell gesagt werden.

Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung kann häufig, aber nicht immer, die Instabilität des Kniegelenks durch Auslösung eines vorderen Schubladenphänomens nachgewiesen werden. Außer einer ausführlichen orthopädischen Untersuchung sind häufig weiterführende bildgebende Untersuchungstechniken (z. B. Röntgen, Kernspintomographie) zur Diagnosestellung erforderlich.

Operationstechniken
Für die chirurgische Versorgung des vorderen Kreuzbandrisses beim Hund sind zahllose Techniken beschrieben worden, von denen sich bisher keine als der „Gold-Standard“ erwiesen hat. Die in der Humanmedizin am häufigsten verwendete Technik ist der Ersatz des vorderen Kreuzbands durch körpereigene Sehnen des Semitendinosus- und des Gracilis-Muskels (sogenannter intraartikulärer Bandersatz). Diese Operationstechnik lässt sich aber nicht einfach auf den Hund übertragen, da

  1. beim Menschen der Kreuzbandriss traumatisch bedingt ist. Beim Hund dagegen ist es eine degenerative Erkrankung, die über Wochen und Monate zur Schädigung des vorderen Kreuzbands führt. Dabei läuft immer eine ausgeprägte Entzündung im Kniegelenk ab.
  2. Der Mensch häufig steht (Kniegelenk in Streckstellung) und dann der Kreuzbandersatz nicht belastet wird. Hund und Katze stehen dagegen mit angebeugten Kniegelenken, so dass der Kreuzbandersatz unmittelbar nach der Operation unter Spannung steht.
  3. Nach der Operation dürfen wir als Mensch für mindestens vier Wochen das operierte Bein nicht belasten. Fahrradfahren und ebenerdiges Laufen sind nach erfolgtem Muskelaufbau sogar erst ab der zehnten bis zwöften Woche nach der Operation wieder möglich. Über den gesamten Zeitraum erfolgt ein intensives Rehabilitationsprogramm. Hund oder Katze werden aber unmittelbar nach der Operation versuchen, das operierte Bein zu belasten. Ein Verhindern der Belastung des operierten Beins für mehrere Wochen ist nicht möglich und würde zu einem hochgradigen Muskelschwund führen.
  4. Die in der Humanmedizin verwendeten körpereigenen Sehnen sind nach der Entnahme und dem Einbringen ins Kniegelenk ohne Blutversorgung. Die Blutversorgung wird erst innerhalb einiger Wochen nach der Operation wieder hergestellt. Innerhalb dieser Zeit kann es zu einer Dehnung, Schwächung oder gar Auflösung des Kreuzbandersatzes kommen, insbesondere durch Belastung des operierten Beins oder durch die parallel ablaufende Kniegelenksentzündung. Das Resultat ist ein weiterhin instabiles Kniegelenk.

Aus den genannten Gründen hat die in der Humanmedizin verwendete Technik zur Behandlung des vorderen Kreuzbandriss in der Tiermedizin keine ausreichenden Erfolgsaussichten und kann daher nicht empfohlen werden.

Für die Auswahl einer geeigneten Operationstechnik sollte das Kniegelenk ganzheitlich betrachtet und der Kreuzbandriss auch als eine Erkrankung verstanden werden. Deshalb sind die Versorgung von Meniskusschäden, der Umgang mit dem Kniegelenk und entzündetem Gewebe sowie eine intensive postoperative Behandlung und Rehabilitation mindestens genauso wichtig wie die angewandte Operationstechnik selbst. Die Auswahl der Operationstechnik sollte aufgrund der besten verfügbaren Daten über die Sicherheit und den Erfolg sowie der Erfahrungen des Operateurs mit der Technik für jeden Patienten im Einzelfall anhand der Daten von Untersuchungen und des Gesprächs mit Ihnen über Ihre Vorstellungen und Bedenken getroffen werden.

Die sogenannte TPLO-Technik kann derzeit als Referenztechnik zur Versorgung des vorderen Kreuzbands angesehen werden und ist das am meisten untersuchte orthopädische Operationsverfahren der vergangenen Jahre. In den jüngsten Jahren hat sich als mögliche alternative Operationstechnik die sogenannte TTA etabliert. Beide Operationstechniken stabilisieren das Kniegelenk aktiv, indem die einwirkenden biomechanischen Kräfte verändert werden.

Durch beide Operationstechniken kann eine sehr gute dauerhafte Belastbarkeit des Kniegelenks erreicht werden. Zusätzlich wird durch beide Verfahren das Fortschreiten der Kniegelenksarthrose auf ein Minimum begrenzt. Für beide Verfahren existieren Vor- und Nachteile, bestimmte anatomische Voraussetzungen müssen erfüllt sein, keine Technik ist der anderen generell überlegen. Wir sind in der glücklichen Lage, als eine von wenigen Kliniken in Deutschland beide Methoden mit großer chirurgischer Erfahrung anbieten zu können, sodass für jeden Patienten eine ideale Versorgung gewährleistet werden kann.

TPLO (tibia plateau leveling osteotomy)

Das Grundprinzip der TPLO ist die Neutralisation der Abwärtsbewegung des Oberschenkels relativ zum Unterschenkel während der Belastungsphase bei einem nach Riss des vorderen Kreuzbands instabilen Kniegelenk. Durch Drehung der Unterschenkelgelenkfläche in eine nahezu horizontale Position („leveling“) werden die entlang der ursprünglich schrägen Gelenkfläche einwirkenden Scherkräfte aufgehoben. Damit wird im Kniegelenk kein vorderes Kreuzband mehr zur Stabilisierung benötigt, sodass eine „Reparatur oder Ersatz“ des gerissenen Bandes nicht mehr notwendig ist.

Das Gefälle der Unterschenkelgelenkfläche bestimmt die Größe der Scherkraft. Entgegen vielfachen Hinweisen in Internetforen gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Hunde mit einer steileren Unterschenkelgelenkfläche eher zu einem Riss des vorderen Kreuzbands neigen. Allerdings scheint die Stabilisierung eines instabilen Kniegelenks mit einer steilen Unterschenkelgelenkfläche mittels konventionellen Techniken erheblich schwieriger zu erreichen zu sein.

Anhand in Narkose angefertigter und exakt gelagerter Röntgenaufnahmen wird die benötigte Korrektur berechnet sowie die erforderlichen Implantate ausgewählt. In der Operation wird dann mittels einer speziellen Säge die Gelenkfläche vom Unterschenkel halbkreisförmig mobilisiert und um den errechneten Korrekturwinkel in den biomechanisch optimalen Winkel gedreht. Anschließend erfolgt eine Fixation des Knochens durch eine Plattenosteosynthese, einer Technik, die auch bei der chirurgischen Versorgung von Knochenbrüchen zur Anwendung kommt. Dabei verwenden wir heute ausschließlich qualitativ hochwertige Verriegelungsplatten der Firma Synthes Veterinär.

TTA (tibial tuberosity advancement)

Die TTA ist 2001 von Slobotan Tepic in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich entwickelt worden. Seit 2004 im klinischen Einsatz, wurde sie mehr als 50.000 Mal von über 700 Chirurgen weltweit eingesetzt. Zur Planung der Operation werden korrekt gelagerte Röntgenaufnahmen benötigt. Anhand dieser werden die benötigten Implantate ausgewählt. Zur Stabilisierung des Kniegelenks wird bei der TTA der knöcherne Ansatzpunkt des Kniescheibenbandes (Patellasehne) am Schienbein, die sogenannte Tuberositas tibiae (Crista Tibia) abgetrennt. Nach Bestimmung des Winkels zwischen der Schienbeingelenkfläche und dem Kniescheibenband wird ein individueller Abstand ermittelt, um den die Tuberositas tibiae nach vorn („Advancement“) verschoben werden muss. Um diesen Abstand dauerhaft zu gewährlisten wird ein Titankäfig in die Lücke zwischen Tuberositas tibiae und restlichen Schienbeinschaft eingebracht und mit zwei Schrauben befestigt. Die abgetrennte Tuberositas tibiae wird ebenfalls mit einer Platte an das Schienbein fixiert. Der Knochenspalt wird abschließend mit einer Knochenersatzsubstanz aufgefüllt, um eine möglichst rasche Durchbauung zu erreichen. Alle Implantate bestehen aus Titan und müssen nicht wieder entfernt werden.

Konventionelle Techniken
Das Ziel der konventionellen Operationstechniken zur Versorgung des vorderen Kreuzbandrisses beim Hund und der Katze ist es, durch Eigengewebe (z. B. Bindegewebe oder Muskulatur) oder Fremdmaterial (z. B. Nylonband, synthetisches Nahtmaterial) eine Stabilisierung des Kniegelenks zu erreichen. Leider gelingt dies in vielen Fällen nicht, weil es durch die sich ständig wiederholenden Belastungszyklen während z. B. des Laufens oder beim Aufstehen zur Lockerung des eingebrachten Materials kommt und eine erneute Instabilität des Kniegelenks entsteht. Als Reaktion darauf entsteht eine Arthrose und chronische Gelenksentzündung, welche die Funktion des Kniegelenks erheblich negativ beeinträchtigen können.

Wir setzen als konventionelles Verfahren die sogenannte extrakapsuläre Zügelung fast ausschließlich nur noch bei Katzen ein. 

Bandscheibenvorfall

Eine Vorwölbung der Bandscheibe oder ein Vorfall von Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal kann starke Schmerzen und unterschiedlich ausgeprägte Lähmungserscheinungen verursachen. Vorgefallenes Bandscheibenmaterial führt in der Regel zur Quetschung des Rückenmarks und / oder von abgehenden Spinalnerven. Insbesondere bei gelähmten Patienten ist ein rasches Handeln angezeigt, um so möglichst eine dauerhafte Schädigung des Nervengewebes zu vermeiden.

Degenerative lumbosakrale Stenose („Cauda-equina-Kompressionssyndrom”)

Als degenerative lumbosakrale Stenose wird die Einengung der Spinalnerven (sogenannte „Cauda equina“) am Ende des Rückenmarks im Übergangsbereich der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein bezeichnet. Diese kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen entstehen:

  • fibroide Degeneration der Bandscheibe (Hansen Typ II) zwischen letztem (siebten) Lendenwirbel und erstem Kreuzbeinsegment (S1)
  • Hypertrophie der am Boden (Lig. longitudinale dorsale) oder am Dach (Lig. interarcuale) des Wirbelkanals verlaufenden Bänder
  • Einengung des Nervenaustrittslochs („Foramenstenose“)
  • Instabilität im Bereich der Wirbelgelenke mit Hypertrophie der Gelenkkapsel und / oder umliegenden Weichteilgewebe
  • angeborene Missbildung des lumbosakralen Übergangs (z. B. Übergangswirbelbildung)
     

Betroffene Patienten können je nach Dauer und Stärke der Nerveneinengung eine unterschiedlich klinische Symptomatik zeigen:

  • Schmerzhaftigkeit
  • Verweigerung zu springen
  • Muskelschwund einer oder beider Hintergliedmaßen
  • Lahmheit einer Hintergliedmaße
  • Parese
  • neurologische Ausfallerscheinungen
  • Kot- / Urininkontinenz
     

Um eine korrekte Behandlung zu gewährleisten, sollten anschließend an eine neurologische und orthopädische Untersuchung korrekt gelagerte Leerröntgenaufnahmen angefertigt sowie eine Kernspintomographie des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts durchgeführt werden. 

Eine rein medikamentelle konservative Behandlung (i. d. R. NSAID + Ruhighaltung) stellt eine sinnvolle Therapieoption für Patienten dar, welche „nur“ eine Schmerzhaftigkeit oder milde neurologische Ausfälle aufweisen. Leider kommt es des Öfteren zum Wiederauftreten der klinischen Symptome.

Die chirurgische Therapie beinhaltet in der Regel eine Druckentlastung für das Nervengewebe. Dafür ist in manchen Fällen eine dorsale Laminektomie ausreichend, in anderen Fällen ist zusätzlich einen Stabilisierung mittels Implantaten notwendig.

Nach der Durchführung einer neurologischen Untersuchung ist für die exakte Bestimmung der Lage eines Bandscheibenvorfalls eine kernspintomographische Untersuchung notwendig. Die Kernspintomographie wird in unserer Klinik mit einem Niedrigfeld-Magnetresonanztomographen (Fa. Siemens) in Inhalationsnarkose durchgeführt.

Die Therapie eines Bandscheibenvorfalls wird im Wesentlichen vom Schweregrad der Erkrankung abhängig gemacht. Bei Patienten ohne oder mit milden Lähmungserscheinungen können mittels intensiver Schmerztherapie, strikter Ruhighaltung und Physiotherapie möglicherweise Operationen vermieden werden. Bei ausgeprägten Lähmungserscheinungen ist jedoch häufig ein schnelles chirurgisches Eingreifen sinnvoll, insbesondere um eine dauerhafte Schädigung des Nervengewebes zu verhindern. Die Erfolgsaussichten sind dabei hauptsächlich abhängig vom Grad der neurologischen Ausfallserscheinungen und der Dauer der Erkrankung.

Das Ziel eines operativen Eingriffs ist es immer, die größtmögliche Entlastung für das Nervengewebe zu erreichen. Um vorgefallenes Bandscheibenmaterial entfernen zu können, ist die Eröffnung des Wirbelkanals erforderlich. Hierzu wird an der Stelle des Bandscheibenvorfalls der Wirbelknochen mittels einer Fräse abgetragen. Im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule erfolgt dies in der Regel von der Seite (sogenannte „Hemilaminektomie“) oder von oben (sogenannte „dorsale Laminektomie“), im Bereich der Halswirbelsäule dagegen häufig von unten (sogenannter „ventral slot“). An die Operation schließt sich schon aus Gründen der notwendigen intensiven Schmerztherapie sowie des häufig erforderlichen Blasenmanagements eine stationäre Behandlung an.

Im Falle einer Lähmung nehmen Sie bitte umgehend mit uns Kontakt auf. Je schneller die notwendige Therapie erfolgen kann, desto größer sind die Erfolgsaussichten!